Dienstag, 2. Dezember 2014

Libre... Frei !

Ahoi Ihr da draußen !

Ich habe mal wieder eine kleine (?) Anekdote zum Thema Diabetes. Um nicht ganz blöd dazustehen, habe ich eben mal gegoogelt, was das Wort "Libre" denn bedeutet... Und was soll ich sagen, es bedeutet: Frei.

Das beschreibt die ganze Situation schon sehr treffend !

Was will sie denn nun....
... ja, was will ich.

Ich will euch von einem neuen "Spielzeug" berichten. Dem FreeStyle Libre.

Was ist das ?

Das FreeStyle Libre ist ein F(lash)G(lukose)M(esssystem). Bedeutet, dass man einen Sensor auf und unter der Haut sitzen hat, welches dann kontinuierlich den Gewebezucker (!) misst. Also, ihr könnt euch das ungefähr so vorstellen: Ein Plastikteil, was ca. 3 cm Durchmesser hat und doppelt so dick wie ein 2€-Stück ist. In der Mitte ist eine Nadel, die unter der Haut sitzen muss, dass sie den Gewebezucker messen kann.

SO sieht das aus... bei mir !



Dazu gehört ein Lesegerät. Das sieht so aus...

(Das ist die Kurve einer Nacht)

Das "Setzen" des Sensors ist auch ziemlich schick gemacht. Man packt den Sensor aus, packt die mitgelieferte Setzhilfe aus, lässt diese mit der Markierung (ein kleiner Strich) an der Markierung an der Sensorpackung einrasten und Teil 1 ist schon geschafft.
Dann hält man die Setzhilfe an die (vorher desinfizierte) Stelle am hinteren Oberarm und drückt. Fertig !
Als ich den ersten Sensor dann in der Setzhilfe gesehen habe und die kleine fiese Nadel mich da anschielte, dachte ich mir auch Hauhauha! Das wird zwiebeln !
Nichts! Gar nichts hat da gezwiebelt. Es knallt (auch nicht so schlimm, wie es klingt) und Zack sitzt das Ding :)

Dann muss man 60 Minuten warten, welches wohl die ewigsten 60 Minuten sind, die man sich so vorstellen kann. Dann tüdelüt das Lesegerät und man kann loslegen.

Wenn ich nun meinen Zuckerwert wissen möchte, muss ich das Knöpfchen drücken und das Lesegerät nur an den Sensor halten. Das klappt auch durch dicke Winterjacken hindurch. Und innerhalb einer Sekunde macht das Gerät wahlweise einen Ton, eine Vibration, oder auch gar nichts. Auf jeden Fall sieht man dann einen Wert und einen Trendpfeil (nicht immer, aber meistens).

So einfach ! Ohne Blut, ohne pieksen. Man sollte aber eben auch wissen, dass der Gewebezucker zeitverzögert ist. Das soll heißen, dass der Gewebezucker, dem normalen Blutzucker 5-15 Minuten "nachhängen" kann. Das muss er nicht. wenn sich am Blutzucker nicht viel tut, dann können sie auch identisch sein. Aber, dass hat ziemlich viele Faktoren, warum das Abweichungen geben kann.

Das zum theoretischen Teil.

Nun zum Erlebnis-Freude-Jubel-Neue Freiheit-Boah wie Geil-Faktor:

Nun sitzt man da und hat ein Gerät, was erschwinglich ist, einen unterstützt seinen Diabetes nicht nur in Momentaufnahmen zu sehen (8-10 mal pieksen am Tag um eine Momentaufnahme zu bekommen), sondern einfach auch mal aufzeigt, was der Zucker denn nun wirklich in der GANZEN Zeit macht.

Man scannt den Zucker und sieht den aktuellen Wert und eben auch eine "Kurve" was der Zucker nun z.B. in der letzten Stunde gemacht hat. Ich kann, wenn ich lustig bin, alle 5 Minuten scannen ! Und ich habs auch schon sehr oft gemacht! Einfach, weil ich es kann ! :)
30-40 Mal am Tag pieksen, würde ich mich nicht !
Die erste Nacht mit dem Libre... ich wache morgens auf... sehe, dass mein Zucker die Nacht über keine Kapriolen geschlagen hat, sondern relativ friedlich eine schöne fast gerade Linie gezogen hat. DAS sehe ich mit dem normalen Blutzuckermessen nicht. Und das ist spannend !

Spannend ist sowieso mein Schlagwort, was ich mit dem Libre in Verbindung setzte! Es ist spannend, wie und wann man Körper auf was reagiert. Wann das Essen anschlägt, ob ich meinen Spritz-Ess-Abstand richtig gewählt habe, ob der duale Bolus bei Pizza, oder Spaghetti im richtigen Abstand gesetzt wurde, ob das Insulin überhaupt ordentlich anschlägt. Ach... es macht einfach Spaß ! Sich einfach das Lesegerät an den Arm (über den Sensor) zu halten und man den Wert und die Kurve sieht...
Auch die Trendpfeile sind toll ! Man sieht, da super dran, wo die Reise hin geht ! Will ich zum Beispiel Auto fahren, dann zeigt mir mein Messgerät im schönen Fall einen Blutzucker von 100mg/dl an. Darauf trinke ich noch 1 KE, sodass ich nicht zu tief rutschen kann während der Fahrt. Nicht selten knallt der Blutzucker dann noch mal ordentlich hoch, weil noch irgendwas nachwirkt...
Beim Libre sehe ich, dass der Trend nach oben geht und so, muss ich nicht noch zusätzliche KEs schlürfen, oder essen und kann ohne Sorge Auto fahren! Und der Bringer ist dann natürlich auch, dass ich kurz während der Autofahrt den Libre an den Sensor halten kann und sehe, wo ich gerade bin... zumindest Zuckertechnisch :P
Das geht normalerweise nicht. Da muss angehalten werden, alles ausgepackt, gemessen und wieder eingepackt werden und erst dann kann die Reise weiter gehen.

(Da sieht man schön den Trendpfeil neben dem Wert)


Hach... ich muss sagen, das kleine Dingen ist eine enorme Erleichterung. In meinen Augen auch mal wieder ein ganzes Stück Lebensqualität! Die Insulinpumpe, ist in meinen Augen, ja schon ein hohes Maß an Lebensqualität. Einfach weil man sich nicht so oft spritzen muss, weil man die Basalversorgung so viel einfacher gestalten kann, weil ich persöhnlich viel weniger Insulin brauche, als unter der ICT.

Und dann kommt da noch ein kleines Stück Freiheit mehr obendrauf ! Nicht nur das... auch meine Motivation, dann den kleinen Diabetes-Arsch doch noch ein bißchen mehr in die Schranken zu weisen ist mal wieder enorm gestiegen ! Es macht Spaß zu sehen, was passiert, OHNE die Finger in einen schweizer Käse zu verwandeln.

Ich hoffe ja, dass die Krankenkassen dieses Stück Freiheit auch übernehmen werden. Denn es bietet so viele Vorteile und im Grunde ist es egal für wen. Ob das Diabetiker sind, die gerade ganz frisch ihre Diagnose vor der Nase haben, ob das Kinder sind, die nachts nicht mehr von Mutti mit dem fiesen Piekser aus dem Schlaf gerissen werden, ob das interessierte Diabetiker sind, die dann gerne mal 1000 Teststreifen im Quartal runter nudeln und die Finger wahrlich neue Muster aufweisen.

Und es ist auch nicht so teuer, wie ein C(ontinuerliche)G(lukose)M(essung). Sicher hat das CGM den Vorteil, dass man eine Hypo-oder Hyper-Warnung bekommt. Die hat das Libre nicht. Dafür kostet das Libre aber auch nicht die Menge an Geld.
Und ein Vorteil hat das Libre wie ich finde, man muss den Empfänger nicht ständig in Reichweite des Sensors haben. Man kann nach Bedarf schauen, wo die Kurve sich befindet. Hat die Kurve also nicht ständig vor Augen.
Kleiner Nachteil für Schisser wie mich, das Pflaster um den Sensor finde ich ein wenig knapp bemessen. Darum habe ich meinen Libre nach der ersten Nacht mit ReCo-Tape fixiert :)

(SchisserFixierung ;) )


FAZIT: Äußerst genial Idee von Abott. Super viel Spaß in dem dann doch manchmal tristen Diabetes-Alltag. Und erschwinglich.

Ich hoffe, dass Abott bald die Freigabe gibt, damit man sich regestrieren lassen kann. Und weiter hoffe ich, dass die Krankenkassen die Sensoren übernehmen. Oder wegen mir auch nur einen Teil...


Für die, die wissen, dass ich so ziemlich jedem wichtigen Teil an mir, um mich rum, oder in meinem Besitz einen Namen gebe... Nacho Libre heißt er ;)

Falls Ihr Fragen habt, fragt !

Viele liebe Grüße von der ge-flash-ten LangstrumpfEule ...